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04.12.2017

Beschäftigte mit Behinderung unterstützen das LKA

Gefahrenminimierung inklusive

Beschäftigte der Werkstätten Materialhof und der Rendsburger Werkstätten scannten im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes knapp 30.000 Luftaufnahmen aus dem 2. Weltkrieg, um die Suche nach Blindgängern zu erleichtern.

Die Angst vor dem großen Knall ist vermutlich immer mit dabei, wenn die Männer und Frauen des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein  in Aktion treten. Sie haben einen verantwortungsvollen und  gefährlichen Job.  Auch 72 Jahre nach Kriegende sind in Schleswig-Holstein noch unzählige Blindgänger im Boden verborgen.  Allein im vergangenen Jahr musste der Kampfmittelräumdienst über 200 Mal ausrücken, um Bomben und Munition aus dem zweiten Weltkrieg zu beseitigen. 

Doch das ist nur ein Teil der Arbeit. Viele Bauherren  wissen es, bevor es überhaupt  losgehen kann, muss der Grund und Boden vom Kampfmittelräumdienst überprüft werden, um zu verhindern, dass bei Baggerarbeiten versehentlich ein Blindgänger touchiert wird. Aufgrund des hohen Risikos ist daher in zahlreichen Gemeinden in Schleswig-Holstein im Rahmen eines Bauantrages auch eine Überprüfung auf Kampfmittelbelastung erforderlich.   

Um dieses Risiko einschätzen zu können, greifen Spezialisten der  Luftbildauswertung auf Fotoaufnahmen  aus dem zweiten Weltkrieg  zurück, die die alliierten Aufklärer  jeweils vor und nach den Luftangriffen  gemacht haben. Dabei ist Konzentration und Genauigkeit gefragt: Schon kleinste, Stecknadel große Punkte auf den Fotos können ein Hinweis auf einen Blindgänger sein.

An dieser Stelle kommen die Werkstätten Materialhof ins Spiel, einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Behinderungen in Rendsburg. Im Auftrag des LKAs digitalisierten hier im Lettershop - in Kooperation mit den Rendsburger Werkstätten - Menschen mit Handicap rund 30.000 Kriegsbilder, um sie dem Kampfmittelräumdienst in hoher Auflösung digital zur Verfügung zu stellen.

„Das ist von großem Vorteil für uns“, erläutert Alan Bock, Leiter der Luftbildauswertung. „In digitaler Form können wir die entsprechenden Bilder nicht nur schneller finden, sondern auch direkt am Bildschirm mit aktuellen Luftaufnahmen übereinander legen, um so für die Kollegen die exakten Koordinaten zum Überprüfen  zu markieren.“

Zwar wurde bereits 2005 der Bestand einmal gescannt, doch hat sich gezeigt, dass die vergleichsweise geringe Auflösung der damaligen Scans Ungenauigkeiten bedingte. Die Technik hat sich in diesem Bereich stark weiter entwickelt und so sind nun die neuen Scans mit 1200 dpi pro Bild um ein Vielfaches schärfer und genauer. „Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen und auch die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert“, lobt Bock.

Auch Silke Meyer, Gruppenleiterin im Lettershop der Werkstätten Materialhof, der unter anderem auch für das Stadtarchiv Rendsburg umfangreiche Digitalisierungsarbeiten übernommen hat,  ist  sehr zufrieden: „Es ist immer wieder schön zu sehen, zu welchen Leistungen Menschen mit Behinderungen in der Lage sind, wenn der Rahmen stimmt und die Bedingungen angepasst werden.“ Voll des Lobes ist sie für ihren Mitarbeiter Manfred Schulz,  der mit großen Engagement und Sorgfalt sich dieser Aufgabe gewidmet hat. „Es ist toll, wie zunehmend selbstständig Herr Schulz gearbeitet hat und wie er mit der Aufgabe gewachsen ist“, so Silke Meyer.

Und die Herausforderung war nicht immer klein, da die Vorlagen auf altem Fotopapier sich zum Teil schon wellten. Besonders schwierig wurde es bei großformatigen Abzügen, die in mehreren Schritten gescannt und dann passgenau zusammengefügt werden mussten. „Mir hat das alles Spaß gebracht“, sagt Manfred, Schulz. „Und ich bin auch ein bisschen stolz auf das, was wir geschafft haben. Immer wenn in Zukunft eine Bombe in Schleswig-Holstein entschärft wird, weiß ich, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe.“

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