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Fit für die Zukunft - Jobcoaching

Fitshop + Jobcoaching: So funktioniert Inklusion in Rendsburg

Wer sich auf den Weg nach Rendsburg macht, hat es bestimmt schon mal gesehen: das markante Fitshop-Gebäude direkt neben der Bundesstraße. Vor gut drei Jahren hat Fitshop, Europas Nr. 1 für Heimfitness, auf 52.000 Quadratmetern in Osterrönfeld ein großes Logistikzentrum gebaut, von dem aus die 69 Filialen in Europa sowie Kunden weltweit beliefert werden. Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier in den Bereichen Lager, Logistik, Reparatur, Verpackung und Versand. Einer von Ihnen ist Jürgen Böhme (26). Seine Geschichte zeigt, wie Inklusion auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann.

Böhme ist im Wareneingang tätig, einem zentralen Bereich der Logistik. Hier entlädt er LKWs und Container per Hand, mit Hydraulikheber oder Gabelstapler. Anschließend stellt er die Waren auf Paletten zusammen, sichert sie und versieht sie mit Etiketten. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn Qualität beginnt mit dem Wareneingang. Ohne diesen ersten Schritt würde keine Bestellung korrekt beim Kunden ankommen. Mit viel Elan ist Jürgen Böhme zugange und packt an. Man sieht, dass die Arbeit ihm gefällt. „Es macht mir wirklich Spaß, vor allem die Abwechslung und dass wir auch mal rumalbern“, sagt er. Dass er heute fest angestellt ist, war jedoch keineswegs selbstverständlich. Aufgrund einer Behinderung liest und schreibt er langsamer als andere. Im Arbeitsalltag beim Fitshop spielt dieses Handicap allerdings kaum eine Rolle.

Jobcoaching als Schlüssel zum Erfolg

Nach der Schule arbeitete Böhme zunächst in den Werkstätten Rendsburg-Eckernförde, einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Hier war er in der Montage tätig, lernte zu konfektionieren und Ware für den Versand vorzubereiten. „Auch einen Gabelstaplerführerschein habe ich in den Werkstätten Rendsburg-Eckernförde gemacht, den kann ich jetzt gut gebrauchen“, berichtet Böhme. Sozialpädagogisch begleitet wurde er in den Werkstätten Rendsburg Eckernförde Schritt für Schritt an den allgemeinen Arbeitsmarkt herangeführt. Über eine ausgelagerte Arbeitsgruppe und einen späteren Einzelarbeitsplatz sammelte er wertvolle Erfahrungen.

Eine zentrale Rolle auf seinem Weg spielte dabei Jobcoach Mark Pütz. Als Teil des Fachdienstes der Werkstätten begleitet er Menschen mit Behinderung individuell beim Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt. „Unsere Aufgabe sehen wir darin, Türen zu öffnen“, erklärt Pütz. „Mit gezielten Qualifizierungsangeboten, passenden Arbeitsbedingungen und enger sozialpädagogischer Begleitung stärken wir unsere Klientinnen und Klienten und unterstützen sie dabei, den Schritt aus der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gehen.“

Pütz war es auch, der für Jürgen Böhme ein Praktikum beim Fitshop organisierte. Schnell zeigte sich: Die Chemie stimmt. Daraus entwickelte sich ein sogenannter „ausgelagerter Arbeitsplatz“, eine bewährte Brücke zwischen Werkstatt und erstem Arbeitsmarkt.

Erprobung mit Sicherheit

Ab Anfang 2025 arbeitete Böhme vier Tage pro Woche halbtags im Betrieb und einen Tag weiterhin in der Werkstatt. Formal blieb er dort angestellt, ein Modell, das beiden Seiten Sicherheit bietet: „Ausgelagerte Arbeitsplätze dienen als Testphase“, so Pütz. „Unternehmen bekommen die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen, während die Beschäftigten sich langsam an neue Aufgaben gewöhnen und daran wachsen können.“

Vor Ort werden die Beschäftigten mit Handicap dabei regelmäßig vom Jobcoach begleitet. Er unterstützt bei der Einarbeitung, hilft bei Bedarf Hürden frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen und übernimmt zahlreiche organisatorische Aufgaben. Diese Begleitung durch den Fachdienst ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie unterstützt nicht nur die Beschäftigten im Arbeitsalltag, sondern entlastet zugleich die Arbeitgeber.

Im Fall von Jürgen Böhme zahlte sich dieser Ansatz aus. Seine Arbeitszeiten wurden stufenweise erhöht, bis schließlich im April 2026 der nächste große Schritt folgte: der Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis beim Fitshop im Rahmen des Budgets für Arbeit, bei dem der Arbeitsgeber bis zu 75% Lohnkostenzuschuss für einen begrenzten Zeitraum bekommen kann.

Offenheit im Betrieb ist die Grundlage

Neben dem Jobcoaching ist auch die Haltung im Unternehmen entscheidend. „Inklusion hängt stark davon ab, ob das Kollegium die Idee mitträgt“, betont Pütz. Verständnis, Flexibilität und die Bereitschaft, Rahmenbedingungen anzupassen, sind zentrale Voraussetzungen für ein gelungenes Miteinander. Beim Fitshop ist all dies gegeben. Im Fitshop-Team ist Böhme längst angekommen. „Jürgen Böhme macht sich wirklich gut“, lobt ihn Lagerleiter Mario Stutzke. „Man muss sich einfach darauf einlassen und bereit sein, Rücksicht zu nehmen, egal ob die individuelle Einschränkung eine Behinderung, die Sprache oder das Alter ist. Wenn man Menschen eine Chance gibt und sie diese ergreifen, bekommt man wirklich hochmotivierte Mitarbeiter“, weiß Stutzke.

Bei Jürgen Böhme hat das definitiv geklappt. Aufgrund der guten Erfahrungen mit ihm plant das Unternehmen daher perspektivisch weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Das Beispiel Fitshop in Rendsburg zeigt, wie Inklusion auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann: mit der richtigen Unterstützung, Offenheit im Unternehmen und schrittweisen Übergängen. Programme wie Jobcoaching und das Budget für Arbeit bieten dabei wichtige Hilfestellungen. Und sie machen deutlich: Inklusion ist kein Mehraufwand, sondern ein Gewinn für alle Beteiligten.